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Barock als Stilbegriff
Im Gegensatz zu Frankreich stellt Deutschland und Österreich im 17. und
18.Jahrhundert keine homogene politische und stilistische Kulturlandschaft dar.
Die führt daher zu der bei uns gebräuchlichen Verwendung des sehr
allgemeinen Stilbegriffs "Barock" für eine Zeitspanne
von fast 130 Jahren (1630-1760). In Frankreich hingegen lehnt sich die
Stilgeschichte an die politische Geschichte des Landes an und es kommt daher zur
Verwendung von Herrschernamen als Stilbegriffe ( Louis XIV, Regence, Louis XV ).
Kulturhistorische Einordnung
Im Zeitalter der höfisch- aristokratischen Repräsentation besitzt das
"repräsentative" Möbel einen ganz besonderen Funktionscharakter.
Dieser dient vor allem dem Sichtbarmachen einer von Gott gewollten
gesellschaftlichen Ordnung. Sie wird durch die strikte hierarchische Ordnung des
Zeremoniells ( Sitzordnung ) und spezifischer Grundrisslösungen (Enfilade) in
die Tat umgesetzt. Durch die gesellschaftliche Aufwertung des Subjekts
(persönlicher Geschmack) gegen 1730 und dem gleichzeitigen Eindringen
bürgerlicher Wertvorstellungen in den höfisch- aristokratischen Kulturbereich
kommt es zu einer strikten Trennung öffentlicher und privater Bereiche. Dadurch
werden Fragen der Bequemlichkeit eine neue nicht bekannte Wichtigkeit
beigemessen. (Symmetrie, Asymmetrie, Verwandlungsmöbel).
Typologische Entwicklung
Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzt sich mit einer Diversifizierung das
Raum- und Möbelangebots auch eine formaldekorative Vereinheitlichung des
Gebrauchsgegenstandes ( Speiseservice, einheitliche textile Ausstattung) im
Innenraum durch. Zu den neuen Möbeltypen zählen der Konsolentisch, die
Kommode, der Fauteuil, das Ruhebett, das Kanapee, usw. Erst um 1700 lösen sich
die seit dem Mittelalter bestehenden Kulturzonen des Weichholz- (Nadelhölzer)
und Hartholzgebietes (Eichen- Nussbaumholz) langsam auf. Das Resultat ist eine
beginnende Internationalisierung in der Verbreitung von Möbeltypen und
Dekorsystemen, die ihren Höhepunkt um 1750 (Rokoko) erreicht.
Produktion
Das zünftische System ist in ganz Deutschland und Österreich die Basis
für die handwerkliche Produktion. Das bedeutet zum Beispiel für die
Herstellung eines Sessels die Involvierung der verschiedensten Werkstätten.
(Tischler, Bildhauer, Vergolder, Tapezierer). Nur den sogenannten hofbefreiten
Handwerker war es erlaubt die unterschiedlichsten handwerklichen Techniken in
ein und derselben Werkstätte auszuführen.
Ornamentsgeschichte als Datierungshilfe
Akanthusblatt ("romanisches Laubwerk")
Grotteske
Laub- und Bandelwerk
Rocaille
