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Allem Leben, allem Tun, aller
Kunst muß das Handwerk vorausgehen! |
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Handwerk prägt auch das Bild unserer Städte.
Die für das Handwerk desselben Gewerbes vorteilhafte und oftmals
vorgeschriebene Gewohnheit sich an gemeinsamen Orten anzusiedeln, hat bis heute
bleibende Zeugen hinterlassen.
Im folgenden einige dieser Straßen, Gassen und Plätze in Wien:
Hafnersteig
Körblergasse
Kohlmarkt (Holzkohlenmarkt)
Kupferschmiedgasse
Kramergasse
Hutsteppergässchen
Krugerstraße (Töpfer)
Milchgasse
Bauernmarkt
Bäckerstraße
Bösendorferstraße (Klaviererzeugung)
Bognergasse
Drahtgasse
Essiggasse
Färbergasse
Riemergasse
Seilergasse
Seilerstätte
Tuchlauben
Wipplingerstraße (Wiltwercher= Pelzverkäufer)
Stock im Eisen Platz (früher Rossplatz)
Durch Jahrtausende waren Handwerk und Kunst nicht
unterschieden.
Das erste Werkzeug des Menschen waren seine Hände. Seit er mit diesen
Gegenständen nützt und später formt, gibt es "Hand-Werk".
Viele alte Mythen der Völker weisen aufs Handwerk. In der Morgenröte
menschlicher Kultur, im ältesten Ägypten schafft Gott Ghnum, Töpfer und
Schöpfer zugleich, den Menschen auf der Töpferscheibe. Mit dem Schmiedegott
Hephaistos hatten die alten Griechen einen Vertreter des Handwerks im
Götterhimmel. Und Siegfried der Held des Nibelungenliedes lernt erst einmal ein
Handwerk, bevor er ans Drachentöten geht.
Aus Stein-, Bronze- und Eisenzeit haben wir durch Funde
großartige Zeugen der damaligen Handwerks-Kunst.
Der Steinzeitmensch in Mitteleuropa fertigte Beile, Messer, Bohrer,
Schaber, Speer-und Gerspitzen, Töpferwaren und Kultgegenstände.
Kupfer, Zinn, Gold, Bernstein erlauben den kunstfertigen Handwerkern der Bronzezeit
später die Erzeugung von zahlreichen Dingen des täglichen Bedarfs, Werkzeugen,
Schmuck, Musikinstrumenten, Waffen und Ziergegenständen. Zahlreiche Erfindungen
und eine blühende Vielfalt der Verarbeitungstechniken lassen die
bronzezeitlichen Meister Dinge schaffen, die uns heute noch in Staunen und
Bewunderung versetzen.
Der zuerst seltene und kostbare Rohstoff Eisen wird seit 3000
Jahren in Österreich abgebaut. Das Eisen selbst wurde durch zahlreiche
Techniken verändert und geformt, es war jedoch auch ein hervorragendes Material
für neue Werkzeuge, die wiederum neue Bearbeitungen ermöglichten. Das Handwerk
wuchs, vervielfältigte und spezialisierte sich, schuf Kultur.

Sesshaftigkeit förderte das Handwerk. einerseits entwickelten die Bauern das Haushandwerk,
mittels dessen sie nahezu alles im Jahreslauf nötige Geräte selbst
verfertigen konnten.
Bauer und Bäuerin vermögen zu schnitzen, flechten, weben, gerben, färben,
schmieden,, bauen, töpfern, schneidern, schustern, malen und mahlen,
Lebensmittel zu verarbeiten und zu konservieren und entwickeln laufend
technische Verbesserungen.
Zum anderen findet auf Fronhöfen und besonders in Klöstern und
in den Städten eine rasch fortschreitende Spezialisierung statt.
Mit dem Entstehen der Städte kamen mehr und mehr Menschen vom Lande in die
neuen Zentren, viele von ihnen Unfreie, übten ihren Beruf aus und bildeten bald
auf der Grundlage städtischer Freiheit eine Handwerkerstand. Dieser wurde
vorerst als "Amt" verstanden.
Doch die Handwerker beginnen sich zu organisieren. Kurz nach dem Jahre 1000
entstehen erste Zunftbriefe in Europa.
In Wien findet der Übergang zu Zechen - das Wort Zunft findet sich hier
seltener- im 13. Jahrhundert statt.
Es bestanden also 1222 in Wien schon Handwerkervereinigungen.
Die Zunft, Zeche war eine genossenschaftliche Handwerkerorganisation und
darüber hinaus auch eine Lebensgemeinschaft von gleichen oder verwandten
Gewerben mit wechselseitigen Rechten und Pflichten.
Sie hatte neben wirtschaftlichen, auch soziale, religiöse und politische
Aufgaben.

Zunftessen, Hans Holbein d. J. 1522
Die Frau im Handwerk
Die Frau im Handwerk tritt vor allem als Meisterin, d.h. zuerst als
Frau des Meisters, entgegen.
Durch die besondere Gegebenheit der Hausgenossenschaft ist ihr Einfluss im
Meisterhaushalt uns auch auf das Lehrlings- und Gesellenwesen von erheblicher
Bedeutung. Ihre ordnende Hand organisiert den umfangreichen Haushalt, oft
vertritt sie den Mann, häufig verkauft sie seine Erzeugnisse.
Nach dem Tode ihres Mannes darf sie im allgemeinen das Gewerbe eine gewisse Zeit
weiterführen.
Was aber, wir sprechen immerhin vom Mittelalter, höchst erstaunlich ist: Sie
war oft zunftberechtigt. Das bedeutet, sie konnte zünftige Meisterin
werden, ja es gab sogar ausschließlich weibliche Zünfte.
In Österreich, traditionell konservativer Boden, beschäftigen sich die
Handwerksordnungen hauptsächlich mit der Einschränkung weiblicher Tätigkeit
im Handwerk.
Auch im restlichen Mitteleuropa scheint sich nach der Blütezeit der
Handwerksorganisationen im 14. Jahrhundert die Stellung der Frau zu vermindern.
Diese Entwicklung dauert bis in die jüngste Zeit an. Erst in den letzten Jahren
setzt da und dort neues Denken ein.
Design: Elisabeth Hegenbart
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Geändert am: 02. Oktober 2002